November 2021

Schweiz: Migros-Genossenschaft will jetzt doch Alkohol verkaufen

Trockene Alkoholiker in der Schweiz haben bisher das Einkaufen in den Filialen der Migros-Genossenschaft geschätzt, konnten sie doch durch die Regale schlendern, ohne mit Bier, Wein oder harten Getränken konfrontiert zu werden. Doch geht es nach der Geschäftsführung der Kaufhauskette, dann könnte damit bald Schluss sein – die Migros-Eigentümer überlegen es sich, Alkohol demnächst den Kunden zum Kauf anzubieten.
„Klar, die Migros kann machen, was sie will, es handelt sich um ein freies Unternehmen. Gleichzeitig gibt es aber Statuten, die soziale Verantwortung als Wert nennen“, gibt der Präsident der Selbsthilfeorganisation „Blaues Kreuz“, Philipp Hadorn, zu bedenken. Dass Migros jetzt seine bisherige Richtung – nämlich keinen Alkohol zu verkaufen – ändern will, sieht er nicht nötig und ist der Überzeugung, dass es sich für das Unternehmen auch nicht auszahlen wird. „Die Migros-Kundschaft schätzt und honoriert das Erbe von Gottlieb Duttweiler (1888 – 1962)“, erinnert Hadorn an den Firmengründer von Migros, der von Beginn die Maxime ausgab, keinen Alkohol zu verkaufen. „Das ist ein zentraler Wert der Migros und gehört zur Identität: kein Alkohol, kein Tabak aber dafür Engagement für Kultur und Sport“, so der Präsident vom „Blauen Kreuz“.
Auch die Stiftung „Sucht Schweiz“ stößt in dieses Horn und sieht einem eventuellen Alkohol-Verkauf als einen Schritt in die falsche Richtung. „Eine Entscheidung, Alkohol anzubieten, trägt weiter zu einer Normalisierung respektive Banalisierung des Alkoholkonsums und der daraus potenziell entstehenden Probleme bei“, ist Silvia Schenker, Präsidentin der Fachstelle, überzeugt. Ein endgültiger Entscheid soll Anfang 2022 fallen.